Wunschzettel – von uns für ALLE.

Landrat Martin Sailer erklärt die Aktion „Wunschzettel – von uns für ALLE.“

Das Jahr 2020 hat dem pädagogischen Fachpersonal der Kindertagesstätten im Landkreis Augsburg mit der Corona-Pandemie und deren Auswirkungen so einige Steine und Hürden in den Arbeitsalltag gelegt. Umso beeindruckender ist es, wie sich die Beteiligten, trotz aller Herausforderungen, an die neuen Bedingungen angepasst haben und mit einer „Lass uns das Beste daraus machen“-Manier neue, kreative und innovative Wege gegangen sind, um die Krise für die Kinder und auch deren Eltern erträglicher zu machen.

Oft in der lokalen Berichterstattung scheinbar „vergessen“, geben die Mitarbeiter*innen tagtäglich ihr Möglichstes für die Kleinsten und leisten dabei eine wirklich herausragende Arbeit für unsere Gesellschaft.

Wie unverzichtbar diese Arbeit, eine professionelle und qualitativ hochwertige Kinderbetreuung, für die frühkindliche Förderung und Bildung sowie für die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist, wurde uns wohl niemals deutlicher und bewusster als in den vergangenen Monaten. Denn ohne die Betreuerinnen und Betreuer, fehlt den Kindern die Ansprache und Förderung außerhalb der eigenen Familie, es fehlt der Austausch mit den anderen gleichaltrigen Kindern und die Entlastung für die Eltern. Sie sorgen durch ihre Arbeit, ihr Herzblut und ihr Engagement dafür, dass ein wichtiger Bestandteil unseres Alltags weiter funktionieren kann.

Aus diesem Grund möchten wir ihnen auf dieser Seite die Möglichkeit geben, ihren Berufsstand, ihre Ideen und Wünsche ein klein bisschen ins Rampenlicht zu rücken.

Wenn Sie auch gerne Ihren „Wunschzettel an die Gesellschaft“ hier veröffentlicht sehen möchten, senden Sie uns bitte eine E-Mail an pressestelle@LRA-a.bayern.de, gerne auch mit Bild und Namensnennung.


Wunschzettel aus dem Hort West

Sehr geehrter Herr Sailer,

bezugnehmend auf Ihren Aufruf bedanken wir uns für die netten Worte, die Sie besonders an unseren Berufstand gerichtet haben. Bewusst ist uns, dass viele andere Berufstätige auch außergewöhnliches leisten, so bleibt es für uns aber unverständlich, warum unsere Berufsgruppe so wenig erwähnt wird oder Beachtung findet.

Seit dem 1. Lockdown im Frühjahr dieses Jahres war unsere Einrichtung keinen Tag geschlossen. Bemüht haben wir uns, die vielen sich wandelnden Regelungen und Hygienemaßnahmen so umzusetzen, dass sich die Kinder trotz allem wohlfühlten/wohlfühlen. Den Kontakt zu den Kindern und deren Familien durch Briefe, Hauskontakte beim Überreichen kleiner Grüße oder Bastelanleitungen, Bilder, Videos etc. zu halten, war eine wertvolle, aber auch intensive Arbeit. Die ständig neuen Verordnungen, die zu dem meistens sehr kurzfristig rein kamen, haben unseren Alltag zusätzlich sehr erschwert und eine sehr hohe Flexibilität eingefordert- Freitagnachmittags kamen die Newsletter; Umsetzung montags.

Wünschenswert wäre eine klare, deutliche Formulierung. Auch ist es oft nicht nachvollziehbar, warum die Schulen andere Vorschriften als wir bekamen (Hort).

Bei einer Zusammenarbeit zwischen den Ministerien sollte doch ein Konsens, zumindest ein Kompromiss möglich sein. Dies würde zu mehr Klarheit bei den Eltern, bei den Kindern als auch beim Personal führen. Klarheit bedeutet Sicherheit und die ist in dieser Zeit besonders wichtig.

Eine bessere Anerkennung unseres Berufstandes ist zwar immer mal wieder in kleinen Schritten geschehen, aber weit entfernt von den erbrachten Leistungen und Aufgaben unsererseits. Wenn man bedenkt, dass immer mehr Kinder im Grundschulalter vor der Schule (ab 6.30 Uhr) schon in den Hort kommen, von dort in die Schule gehen, um anschließend wieder in den Hort zu kommen, bis sie am späten Nachmittag heim gehen (max. 18 Uhr). Das heißt, die Kinder verbringen mehr Zeit mit uns als mit ihren Eltern. Wir sind nicht nur erziehungsergänzend, sondern übernehmen immer mehr Erziehungsarbeit.

Durch einen stark zunehmenden Migrationshintergrund erfahren wir viel über andere Lebensweisen, andere Normen und Werte, was durchaus positiv ist. Wie immer hat die Medaille aber auch zwei Seiten, die Anforderung und Aufgaben dies zu bewältigen, sind enorm gestiegen und erfordern auch oft eine intensive Elternarbeit. Die Kinder brauchen starke Unterstützung und Rückhalt um ihren Alltag zu meistern und fordern zu Recht eine intensive Hilfe ein.

Dies sind ein paar Gedanken aus dem Hort West. Wir sind ein vollzähliges, harmonisches Team, haben Spaß an der Arbeit und wünschen uns einfach eine Aufwertung/ Anerkennung unseres Berufsstandes. Eine Unterstützung auf politischer Ebene wäre dabei sehr wünschenswert und dringend notwendig.

In der Hoffnung, dass ein warmer Händedruck, eine herzliche Umarmung wieder zur Normalität unseres Miteinanders werden, wünschen wir Ihnen ein gutes Neues Jahr.

Mit dem diesjährigen Jahreswechsel verbindet uns sicher alle der gemeinsame Wunsch nach einem besseren 2021.


Wunschzettel einer Erzieherin aus einem Hort im Landkreis

Wenn ich Bekannten oder neuen Leuten, die ich gerade kennen lerne, von meinem Beruf erzähle, ist direkt bei dem Wort „Erzieherin“ klar, dass ich wohl in einem Kindergarten arbeite. Manche haben auch noch die Vorstellungskraft, dass es wohl auch noch jüngere Kinder geben muss, die in einer Krippe sind. Alles darüber hinaus übersteigt deren Vorstellungskraft. Wenn ich dann noch weiter reden darf und erzähle, dass ich im Schichtdienst arbeite, stutzen doch die meisten und sind verwirrt. JA – es gibt im Bereich des Erziehers und der Erzieherin noch weit aus mehr Arbeitsstellen als den Kindergarten. Man kann eigentlich mit Menschen in jedem Alter/Nationalität/Gesundheitszustand usw. arbeiten. Seien es Jugendliche, Alte Leute, psychisch kranke Leute, Menschen mit Behinderung, Babys, Flüchtlinge oder eben Kinder. Daher hören wir auch ungern den Titel „Kindergärter/in“. Nicht dass jeder Beruf richtig betitelt werden muss – es geht nur darum, dass der Blick der Gesellschaft sonst nie geöffnet wird. Und JA – wir haben nicht studiert und trotzdem „dürfen“ wir dort arbeiten. Dafür haben wir fünf Jahre Ausbildung gemacht und bekommen eben niemals den Status eines „studierten Menschens“. Ich kenne einige Leute, die sich nach dem Abitur trotzdem für diese langwierige Ausbildung entschieden haben und bewusst gegen ein Studium, da man viel mehr Praxiserfahrung sammelt. Ich habe auch überlegt noch Soziale Arbeit zu studieren, jedoch sitzt man dann meist in einem Büro und kümmert sich vereinzelt um „Klienten“, wie sie dann genannt werden. Jetzt sind es meist 25 Kinder in einem Kindergarten, zwölf in einer Krippe, 25 Kinder in einem Hort und meist zehn bis zwölf Kinder in einer Wohngruppe in einem Kinderheim. Und das sind nur die Bereiche, bei denen ich einen gewissen Einblick hatte oder tätig war. Da käme mir die Arbeit eines Sozialarbeiters fast „leichter“ vor. Was sie nicht ist! Und selbstverständlich ist das Studium auf keinen Fall leicht, jedoch wäre ich letztendlich mehr im Büro als bei den Menschen.

Somit zu meinem Wunschzettel:

  • Ich wünsche mir kleinere Gruppen, damit man sich mehr auf einzelne Kinder konzentrieren kann.
  • Ich wünsche mir Eltern, die ihre Kinder, wenn sie krank sind, zuhause lassen (damit sich das Personal nicht ständig ansteckt bzw. andere Kinder angesteckt werden).
  • Ich wünsche mir eine bedachte Ausbildung, die zumindest bayernweit einheitlich gestaltet werden sollte (hatte einen Schulwechsel und der Stoff/Aufbau war total unterschiedlich).
  • Außerdem sollten alle Sparten (Krippe, Kindergarten, Jugendbereich usw.) darin gleichermaßen vorkommen und unterrichtet werden.
  • Ich wünsche mir nicht den Bürgermeister als obersten Chef, sondern jemanden, der sich in unsere Situation hineinversetzen kann und man nicht die gleichen Regelungen bekommt wie der restliche öffentliche Dienst (z. B. Jahressonderzahlung) oder eine Auflage, dass der Bürgermeister einen Tag im Jahr mitarbeiten muss.
  • Ich wünsche mir mehr Anerkennung für den Beruf – jedoch hauptsächlich deswegen, damit mehr Menschen diesen Beruf ausüben möchten und man die freien Stellen besetzen kann und man nicht immer unterbesetzt arbeiten muss.
  • Ich wünsche mir mehr Männer, die den Mut haben den Beruf auszuüben – wozu aber auch eine Gesellschaft gehört, die diesen Beruf bei Männern akzeptiert, toleriert und vorurteilsfrei annimmt.

Ich bedanke mich für die Möglichkeit, meine Wünsche einmal zu äußern und hoffe sehr, dass viele Menschen es lesen und vor allem die Politik auch etwas daran ändert! Sollte nicht unser Nachwuchs das Wichtigste für uns sein? Sollten wir dann überhaupt Kinder in die Welt setzen, wenn nicht? Sollten wir nicht Respekt haben vor jedem Beruf?


Wunschzettel Tina S., Leitung Hort und Mittagsbetreuung

Sehr geehrter Herr Landrat Sailer,

ich möchte Ihnen sehr für Ihre anerkennende Worte danken und für die Möglichkeit, unsere Wünsche an die Öffentlichkeit auf der von Ihnen bereitgestellten Plattform äußern zu können.

Ich bin Leitung eines Hortes und einer Mittagsbetreuung und bin von einem äußerst motivierten und engagierten Team umgeben. Die Zusammenarbeit mit den Lehrern und der Rektorin läuft auf Augenhöhe und mit gegenseitigem Respekt, Impulse werden von jeder Seite geäußert und sachlich reflektiert. Absprachen organisatorischer Art erleichtern allen Beteiligten, auch Eltern und Kindern, den Alltagsablauf. Aufgrund dieser vielen positiven Aspekte konnten wir dieses chaotische Jahr relativ gut überstehen, es gelang uns, mit viel Kreativität neue Wege einzuschlagen und Ideen erfolgreich umzusetzen. Unser Beruf ist für mich der Schönste und Abwechslungsreichste, den ich für mich wählen konnte! Trotzdem bleiben bei mir doch ein paar Wünsche offen:

  • Wir sind angehalten, als Hort (Sozialministerium) in Absprache gut mit der Schule (Kultusministerium) zusammenzuarbeiten. Dazu wäre es äußerst hilfreich, wenn sich diese beiden Ministerien miteinander austauschen und absprechen würden, damit wir keine widersprüchlichen Auflagen haben und diese sich nicht täglich ändern!
  • Von den Eltern würde ich mir wünschen, dass sie erkennen, dass wir nicht nur auf ihr Kind eingehen können, sondern eine ganze Gruppe Kinder gleichermaßen zu beachten haben.
  • Wir wollen in Erziehungspartnerschaft mit den Eltern zusammen arbeiten. Das setzt allerdings voraus, dass sich die Eltern ihrer Erziehungsverantwortung bewusst sind und diese nicht mit der Anmeldung ihres Kindes bei einer Einrichtung mit abgeben.

Ich wünsche allen Lesern eine besinnliche Zeit, ruhige und friedvolle Weihnachten und ein gesundes, Neues Jahr mit vielen wunderbaren Momenten, viel Freude und Spaß und begleitet von liebenden Menschen!


Wunschzettel Heike L., KITA-Einrichtungsleitung

Sehr geehrter Herr Sailer,

im Folgenden senden wir Ihnen unseren „Wunschzettel“:

  • 1. Priorität: MEHR WERTSCHÄTZUNG!!!! – Eine Kita ist keine Aufbewahrungsanstalt, sondern eine Bildungseinrichtung. Dies sollte auch so wahrgenommen werden.
  • Besserer Anstellungsschlüssel (Wir arbeiten zu zweit/ teilweise alleine mit 25 Kindern). Es sollte diesbezüglich keine Empfehlungen an die Träger geben, sondern feste Vorgaben.
  • Reduzierte Gruppenstärke im Kindergarten
  • Höheres Entgelt für Fachkräfte (Erzieher*innen lernen fünf Jahre!!!)
  • Deutlich bessere Vergütung der Erzieher-Praktikanten. Auch Kinderpfleger sollten selbstverständlich während ihrer Ausbildung etwas verdienen!
  • Aussetzen des Beschlusses: Abiturienten sollen nach sechs Wochen Praktikum in Fachakademien eintreten können. (Wo bleibt da die fachpraktische Erfahrung?)
  • Weniger Bürokratie
  • Freistellung der Kitaleitungen