„Ich habe 2007 bei einem Handbike-Rennen in Heidelberg zugeschaut und da habe ich das Handbike auch für mich entdeckt. Ich war total begeistert, wie schnell man damit fahren kann und das eben auch in verschiedenen Lähmungshöhen – was für mich sehr wichtig war, da es nämlich am Anfang hieß, in meiner Lähmungshöhe würde das mit dem Liegebike nicht funktionieren. Aber bei diesem Rennen habe ich Bernd Jost, jemanden mit derselben Lähmungshöhe, kennengelernt und er hat mir dann gezeigt, wie er in das Bike rein und wieder herauskommt. Das Gefühl Handbike zu fahren – als ich es dann hinbekommen habe – war einfach super: Man ist wesentlich schneller unterwegs als mit dem normalen Rollstuhl, kann ganz andere Steigungen bergauf und bergab fahren, ganz andere Geschwindigkeiten und ist zudem an der frischen Luft – es macht einfach tierisch Spaß! 2009 habe ich dann das Tetra-Team, einen Zusammenschluss von sehr hochgelähmten Rollstuhlfahrern, lauter Tetraplegikern – daher auch der Name – gegründet. Ursprünglich hat es eben für uns alle mal geheißen, dass wir in dieser Lähmungshöhe, also wir reden hier von einer Verletzung im Halswirbelbereich, kein Liegebike fahren könnten, weil das vom Handicap nicht funktionieren würde. Aber Bernd Jost und ich wollten zeigen, dass es sehr wohl geht und so ist dann das Tetra-Team als eigene Abteilung des TSV Zusmarshausen entstanden. Mittlerweile ist das Tetra-Team aber auch viel neben dem Sport unterwegs, z.B. für Beratungen von Betroffenen für Betroffene, um gemeinsam auch einen guten Alltag hinzubekommen. Denn: Ohne einen funktionierenden Alltag kann das mit dem Sport auch nicht klappen. Wenn ich auf meine größten sportlichen Erfolge blicke, dann ist da zuallererst einmal die Tatsache, dass ich überhaupt beweisen konnte, dass ich mit so einem Bike fahren kann. Und ansonsten rein sportlich betrachtet, habe ich 2013 zum ersten Mal den Marathon-Weltrekord in meiner Klasse errungen, den ich auch mehrfach verteidigen konnte. Und dann war da natürlich noch 2009 Vätternrundan in Schweden eine tolle Herausforderung, eines der größten Radrennen der Welt: Da haben Bernd Jost und ich als Handbiker, als die ersten Tetraplegiker überhaupt, mitgemacht und wir haben die 300 Kilometer des Rennens in insgesamt 22 Stunden bewältigt.“

– Jürgen Winkler, Gründer des Tetra-Teams und Handbiker aus Zusmarshausen

Das vollständige Interview sehen Sie hier als Video:

Auf seiner persönlichen Homepage berichtet Jürgen Winkler von sich, seinem Engagement und zeigt nach eigenen Worte, „dass man auch mit einer hohen Querschnittslähmung einiges erreichen kann“.

Auf der Webseite des Tetra-Teams finden sich zahlreiche Informationen über die Teammitglieder und darüber, wie aus einer anfangs rein sportlichen Motivation eine Gruppe mit ganz besonderem Zusammenhalt entstanden ist.